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Allokation

Der Allokationsbereich in den Basisdaten bietet Unterstützung, Emissionen korrekt auf Produkte und Prozesse aufzuteilen. Er ist in drei Tabs gegliedert: 1. Koprodukte, 2. Abfallbehandlung und 3. Materialrecycling. Dieser Artikel erklärt zuerst den Aufbau des Formulars, anschließend – je Tab – welche Methoden im jeweiligen Modus verfügbar sind, und definiert schließlich die einzelnen Allokationsmethoden.

Aufbau des Formulars

Jeder Tab enthält dieselbe Grundstruktur:

1

Auswahl der Allokationsmethode
Aus dem Dropdown wird die Methode ausgewählt, die angewendet wurde.

2 Beschreibung des verwendeten Allokationsansatzes
Über ein Freitextfeld kann beschrieben werden, wie die Emissionen aufgeteilt wurden, welche Koprodukte beteiligt sind, welche Allokationsschlüssel verwendet wurden und welche konkreten Werte der Allokation zugrunde liegen. 
3 Hochladen von Dokumenten
Über den Button "Dokumente hochladen" können Belege zur Entscheidungsdokumentation hochgeladen werden, z.B. eine Berechnungstabelle oder das verwendete Regelwerk. Unterstützte Formate sind docx, xlsx, csv und pdf, bis zu 15 MB je Datei. 

Die folgende Abbildung zeigt den Tab „Koprodukte" als Beispiel – Abfallbehandlung und Materialrecycling sind identisch aufgebaut.

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Wichtig: Füllen Sie nur die Tabs aus, die für Ihren betrachteten PCF relevant sind. Welche Methoden im Dropdown auswählbar sind, hängt davon ab, welcher Standard für den PCF-Bericht aktiviert ist. 


1. Allokation bei Koprodukten

Dieser Tab ist relevant, wenn der Produktionsprozess gleichzeitig mehrere Produkte erzeugt - man spricht dann von Koprodukten. Die verfügbaren Allokationsmethoden sind in der vorgeschriebenen Reihenfolge zu prüfen. Wählen Sie die Methode aus, die Sie angewendet haben.

1.1 Subdivision

Wann anwenden? Wenn sich der Prozess technisch so aufteilen lässt, dass jeder Teilprozess eindeutig einem Produkt zugeordnet werden kann und keine Allokation mehr erforderlich ist. Subdivision ist nur dann als Methode auszuwählen, wenn sich der Allokationsbedarf vollständig auflöst.

Modellierung im Climate Hub: Im Bereich Allokation – Koprodukte wird die Methode "Subdivision" ausgewählt. Die getrennten Teilprozesse werden als eigenständige Aktivitäten im Reiter Daten angelegt.

Beispiel: Eine Fertigungslinie produziert Rahmen und Gabeln über vollständig getrennte Prozessschritte – Materialzuschnitt, Umformung und Schweißen erfolgen jeweils produktspezifisch, ohne gemeinsam genutzte Anlagen. Es ist keine Allokation nötig; daher muss keine Allokationsmethode in der software hinterlegt werden. 

1.2 Systemerweiterung via Substitution

Wann anwenden? Wenn Subdivision nicht möglich ist, das Koprodukt aber nachweislich ein dominantes Produkt auf dem Markt verdrängt und dieser Zusammenhang branchenweit anerkannt ist. Zudem müssen Primärdaten oder repräsentative Sekundärdaten für das substituierte Produkt vorliegen.

Die Bilanzgrenze wird so erweitert, dass das Koprodukt ein anderes Produkt auf dem Markt ersetzt. Die Emissionen dieses substituierten Produkts werden als Gutschrift vom PCF des Hauptprodukts abgezogen – dadurch entfällt die Notwendigkeit einer Allokation.

PCF Hauptprodukt = Emissionen Gesamtprozesses - Emissionen substituiertes Produkt

Modellierung im Climate Hub: Bei Auswahl dieser Option erscheint das zusätzliche Textfeld „Name des Substitutionsprodukts" im Reiter Allokation. Hier wird der Name des ersetzten Produkts eingetragen. Die eigentliche Gutschrift muss als zusätzliche Aktivität „Verdrängtes Produkt" mit negativem Emissionsfaktor in der entsprechenden Subphase hinterlegt werden. Der negative Wert entspricht den vermiedenen Emissionen des substituierten Produkts und wird bei der Berechnung des PCF automatisch mit den übrigen Prozessemissionen verrechnet.

Beispiel: Bei der Sägewerksverarbeitung entstehen gleichzeitig Bretter und Hackschnitzel. Die Hackschnitzel verdrängen Frischholz-Hackschnitzel, die andernfalls in einem anderen Prozess eingesetzt würden. Im System wird dafür eine zusätzliche Aktivität „Verdrängtes Produkt: Frischholz-Hackschnitzel" in der Subphase Sägen mit negativem Emissionsfaktor angelegt. Diese Gutschrift wird automatisch von den CO2e-Emissionen der Subphase abgezogen.

Wichtig: Der PCF des Hauptprodukts darf durch die Gutschrift nicht negativ werden.

1.3 Wahl zwischen physikalischer und wirtschaftlicher Allokation

Kann weder Subdivision noch Substitution angewendet werden, muss zwischen physikalischer und wirtschaftlicher Allokation entschieden werden. Die Vorgehensweise unterscheidet sich hier je nach Standard.

ISO 14067: Physikalische Allokation ist grundsätzlich zu bevorzugen, unabhängig vom wirtschaftlichen Wertverhältnis der Koprodukte. Wirtschaftliche Allokation ist nur zulässig, wenn sich kein sinnvoller physikalischer Zusammenhang zwischen den Koprodukten herstellen lässt – z. B. wenn keine gemeinsame physikalische Bezugsgröße wie Masse, Stückzahl oder Energieinhalt sinnvoll bestimmbar ist.

Catena-X / PACT: Hier entscheidet das wirtschaftliche Wertverhältnis der Koprodukte, welche Methode anzuwenden ist:

Wirtschaftlicher Wert je Produkt = Masse x Marktpreis
Verhältnis = größter Wert ÷ kleinster Wert

Anhand des Ergebnisses wird die Methode festgelegt:

Verhältnis Interpretation Nächster Schritt
≤ 5 Marktwerte ähnlich → Schritt 1.3.1 Physikalische Allokation
> 5 Marktwerte stark unterschiedlich → Schritt 1.3.2 Wirtschaftliche Allokation

Beispiel:

  • Produkt A: 5 kg × 200 €/kg = 1.000 €
  • Produkt B: 8 kg × 15 €/kg = 120 €
  • Verhältnis: 1.000 : 120 = 8,3 → wirtschaftliche Allokation (Schritt 1.3.2)
1.3.1 Physikalische Allokation

Wann anwenden? Wenn das Wertverhältnis der Koprodukte ≤ 5 ist, sodass die physikalische Eigenschaft der Produkte als ausreichend repräsentativ gilt.

Die Emissionen eines gemeinsam genutzten Prozesses werden anhand einer messbaren physikalischen Eigenschaft auf die beteiligten Produkte aufgeteilt. Typische Allokationsschlüssel sind Masse, Stückzahl, Energie oder Energieinhalt, z. B.:

Allokationsfaktor = Masse dieses Produkts ÷ Gesamtmasse aller Koprodukte

Beispiel: In einem Produktionszeitraum verarbeitet eine gemeinsame Lackieranlage insgesamt 1.450 kg E-Mountainbike-Rahmen und 1.020 kg E-Rennrad-Rahmen, insgesamt 2.470 kg.

Allokationsfaktor E-Mountainbike: 1.450 ÷ 2.470 = 0,587 – also 58,7 % der Lackieremissionen der Charge werden den E-Mountainbike-Rahmen zugerechnet. 

Modellierung im Climate Hub:

  1. Im Dropdown "Allokationsmethode" wird "Physikalische Allokation" ausgewählt.
  2. Der Allokationsfaktor wird außerhalb der Software berechnet, anhand der Massenangaben der Produktionscharge für die Koprodukte.
  3. Der berechnete Faktor wird anschließend bei den betroffenen Aktivitäten berücksichtigt: Statt der vollen Chargenmenge wird nur der bereits allozierte Anteil als Aktivitätsmenge eingetragen (z. B. 1.450 kg statt der vollen Lackiermenge von 2.470 kg), der Emissionsfaktor der Aktivität bleibt unverändert.
  4. Im Freitextfeld im Bereich Allokation wird der Ansatz inklusive Berechnung dokumentiert. Über "Dokumente hochladen" kann die Berechnungsgrundlage als Beleg angehängt werden.

Standardkompatibilität: Catena-X gibt die zulässigen physikalischen Bezugsgrößen fest vor: produzierte Masse, produzierte Stückzahl, enthaltene Exergie oder enthaltene Energie. Für die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung (KWK) schreibt Catena-X die Allokation auf Basis der erzeugten Exergie vor.

1.3.2 Wirtschaftliche Allokation

Wann anwenden? Wenn das Wertverhältnis der Koprodukte > 5 ist, sodass die physikalische Allokation die wirtschaftliche Realität verzerren würde.

Die Emissionen werden anhand des wirtschaftlichen Werts der Koprodukte aufgeteilt. Der Wert ergibt sich aus Masse multipliziert mit dem Marktpreis:

Allokationsfaktor = (Masse x Preis des Produkts) ÷ (Masse x Preis aller Koprodukte)

Beispiel: Eine Produktionscharge liefert Koprodukt A (500 kg × 200 €/kg = 100.000 €) und Koprodukt B (800 kg × 15 €/kg = 12.000 €), Gesamtwert 112.000 €.

Allokationsfaktor Koprodukt A = 100.000 ÷ 112.000 = 0,893 – also 89,3% der Emissionen der Charge werden Koprodukt A zugerechnet. 

Modellierung im Climate Hub:

  1. Im Dropdown "Allokationsmethode" wird "Wirtschaftliche Allokation" ausgewählt.
  2. Anschließend erscheint das Dropdown „Preistyp". Wählen Sie hier aus, auf welcher Basis die Allokation berechnet wurde:

    • Globaler Marktpreis: Der weltweit gültige Marktpreis für das Produkt. Erste Wahl laut Catena-X, sofern verfügbar.
    • Regionaler Marktpreis: Ein regional begrenzter Marktpreis, z. B. für Europa oder Nordamerika. Zu verwenden, wenn kein globaler Preis verfügbar oder repräsentativ ist.
    • Andere: Andere wirtschaftliche Kennzahlen wie Produktionskosten oder Verkaufspreis. Nur verwenden, wenn weder ein globaler noch ein regionaler Marktpreis vorliegt.
  3. Über die Datumsfelder „Von" und „Bis" kann die Referenzperiode angegeben werden, auf der die verwendeten Preise basieren.

  4. Der Allokationsfaktor wird außerhalb der Software berechnet, anhand der Massen- und Preisangaben der Produktionscharge für die Koprodukte.

  5. Der berechnete Faktor wird anschließend bei den betroffenen Aktivitäten berücksichtigt: Statt der vollen Chargenmenge wird nur der bereits allozierte Anteil als Aktivitätsmenge eingetragen , der Emissionsfaktor der Aktivität bleibt unverändert.

  6. Im Freitextfeld im Bereich Allokation wird der Ansatz inklusive Berechnung (Preistyp, Referenzperiode, Werte, Faktor) dokumentiert. Über "Dokumente hochladen" kann die Berechnungsgrundlage als Beleg angehängt werden.

Standardkompatibilität: Die Reihenfolge zur Bestimmung des Preistyps (global → regional → andere) ist eine Vorgabe laut Catena-X. PACT schreibt keine Reihenfolge vor, verlangt aber, dass nur ein Preistyp verwendet wird. Catena-X schreibt außerdem die Mittelung des gewählten Presises über 3-5 Jahre vor. PACT verlangt die Mittelung nur bei starker Schwankung (über 100% Jahr-zu-Jahr). 


2. Abfallbehandlung

Dieser Tab ist relevant, wenn bei der Produktion Abfallströme anfallen, z. B. durch Verschnitt, Ausschuss oder Prozessrückstände. Bei der Abfallbehandlung wird i.d.R ein Schnitt (Cut-off) zwischen zwei Produktsystemen gezogen: dem Primärsystem, das den Abfall erzeugt, und dem Sekundärsystem, das den Abfall übernimmt und behandelt. Wo genau dieser Schnitt gesetzt wird, entscheidet, wer die Emissionen der Behandlung trägt.

Wählen Sie im Feld „Allokationsmethode" die Methode aus, die Sie angewendet haben.

Verfügbarkeit der Allokationsmethoden

Allokationsmethode ISO 14067 Catena-X PACT TfS
Polluter Pays Prinzip / Reverse Cut-off Ansatz Verfügbar Verfügbar Verfügbar Verfügbar
Cut-off Ansatz Verfügbar - Verfügbar Verfügbar
Systemerweiterung - - - Verfügbar
Keine Allokation stattgefunden Verfügbar - - Verfügbar

Bei aktiviertem Catena-X: Die Methode ist fest auf Polluter Pays Prinzip gesetzt und kann nicht geändert werden. 

2.1 Polluter Pays Prinzip / Reverse Cut-off Ansatz

Wann anwenden? Wenn der End-of-Waste-Punkt nicht vor der Verbrennung / Deponierung erreicht wird. Der Abfall gilt zum Zeitpunkt der Behandlung noch als Teil des erzeugenden Produktsystems. Die Abfallbehandlung des Materials trägt das Primärsystem – von der Sammlung über den Transport bis zur finalen Entsorgung.

Modellierung im Climate Hub:

  1. Im Dropdown "Allokationsmethode" im Reiter Abfallbehandlung wird "Polluter Pays Prinzip" ausgewählt.
  2. Die Abfallbehandlungsemissionen werden vollständig als Aktivität im Primärsystems hinterlegt (z.B. in der Subphase Abfall und Abwasser) – unabhängig davon, ob die Behandlung durch einen externen Dienstleister durchgeführt wird.
  3. Im Freitextfeld im Bereich Allokation wird dokumentiert, wie die Allokation durchgeführt wurde.
  4. Über "Dokumente hochladen" kann die Entscheidungsdokumentation (z. B. Entsorgungsnachweis) als Beleg angehängt werden.

Beispiel: Bei der Fertigung eines Aluminiumrahmens fallen 4 g Lackierabfälle pro Einheit an, die thermisch entsorgt werden. Alle Verbrennungsemissionen werden dem Aluminiumrahmen zugerechnet. Eine Gutschrift für die zurückgewonnene Wärme wird nicht angesetzt.

Standardkompatibilität: Catena-X bezeichnet dieses Prinzip als Polluter Pays Principle und schreibt es für die Abfallbehandlung (inkl. Verbrennung mit Energierückgewinnung) verbindlich vor; die zurückgewonnene Energie ist dabei lastenfrei. TfS bezeichnet dasselbe Vorgehen als Reverse Cut-off. PACT teilt dasselbe Grundprinzip für Produktionsabfall, der entsorgt wird; für Energierückgewinnung weicht PACT jedoch ab und verwendet den Cut-off-Ansatz.

2.2 Cut-off Ansatz

Wann anwenden? Wenn der End-of-Waste-Punkt bereits vor der Verbrennung / Deponierung erreicht wird. Der Abfall gilt zum Zeitpunkt der Behandlung bereits als Teil eines anderen Produktsystems. Die Abfallbehandlung des Materials trägt das Sekundärsystem. Das Primärsystem gibt den Abfall am End-of-Waste-Punkt emissionsfrei ab. 

Modellierung im Climate Hub:

  1. Im Dropdown "Allokationsmethode" im Reiter Abfallbehandlung wird "Cut-off Ansatz" ausgewählt.
  2. Im Primärsystem wird keine Aktivität für die Abfallübergabe hinterlegt, da das Sekundärsystem die Abfallemissionen trägt.
  3. Im Freitextfeld im Reiter Allokation wird dokumentiert, an welchem Punkt der End-of-Waste-Punkt erreicht wird.
  4. Über "Dokumente hochladen" kann die Übergabedokumentation (z. B. Entsorgungsvertrag) als Beleg angehängt werden.

Beispiel: Bei der Herstellung von Batteriezellen fallen lösungsmittelhaltige Rückstände an, die an einen externen Entsorgungsbetrieb zur fachgerechten chemischen Behandlung übergeben werden. Da der Abfall am Werkstor emissionsfrei abgegeben wird, trägt die Batteriezelle keine Emissionen für die nachgelagerte Behandlung. Der Emissionseintrag für diesen Abfallstrom ist null.

Standardkompatibilität: Für reine Abfallbehandlung mit Energierückgewinnung (Waste-to-Energy) ist der Cut-off Ansatz in Catena-X nicht vorgesehen – dort gilt verbindlich das Polluter Pays Prinzip. PACT hingegen schreibt den Cut-off-Ansatz für Energierückgewinnung vor.

2.3 Systemerweiterung

Wann anwenden? Ausschließlich bei Verbrennung mit Energierückgewinnung (Waste-to-Energy) im TfS-Kontext. Der Markt für die ersetzte Energiequelle muss bekannt sein und es müssen repräsentative Daten für deren Emissionen vorliegen.

Bei Verbrennung mit Energierückgewinnung ersetzt die zurückgewonnene Energie eine andere Energiequelle. Die Emissionen der ersetzen Energiequelle werden als Gutschrift vom PCF des erzeugenden Produktsystems abgezogen.

Berechnung: PCF = Emissionen Verbrennungsprozess − Emissionen der ersetzten Energiequelle

Modellierung im Climate Hub:

  1. Im Dropdown "Allokationsmethode" im Reiter Abfallbehandlung wird "Systemerweiterung" ausgewählt.
  2. Die Gutschrift wird als zusätzliche Aktivität "Ersetzte Energiequelle" mit negativem Emissionsfaktor in der entsprechenden Subphase hinterlegt. Der negative Wert entspricht den vermiedenen Emissionen der ersetzten Energiequelle und wird bei der Berechnung automatisch mit den übrigen Prozessemissionen verrechnet.
  3. Im Freitextfeld im Bereich Allokation wird dokumentiert, welche Energiequelle ersetzt wird und auf welcher Datengrundlage die Gutschrift beruht.
  4. Über "Dokumente hochladen" kann die Berechnungsgrundlage bzw. der Nachweis zur ersetzten Energiequelle als Beleg angehängt werden.
Beispiel: Produktionsabfälle werden verbrannt und die zurückgewonnene Wärme ersetzt Erdgas. Die vermiedenen Emissionen der Erdgasverbrennung werden als Gutschrift vom PCF des erzeugenden Produktsystems abgezogen.

Standardkompatibilität: Die Methode ist ausschließlich im TfS-Kontext und nur bei Verbrennung mit Energierückgewinnung zulässig.


3. Materialrecycling

Dieser Tab ist relevant, wenn Reststoffe oder Abfälle aus der Produktion recycelt werden. In nahezu allen Fällen gilt der Cut-off Ansatz als Standardmethode. Der End-of-Waste-Punkt markiert auch hier den Übergang der Verantwortung vom Primärsystem zum Sekundärsystem. 

Verfügbarkeit der Allokationsmethoden

Allokationsmethode ISO 14067 Catena-X PACT TfS
Cut-off Ansatz Verfügbar Verfügbar Verfügbar Verfügbar
Upstream System Expansion - - - Verfügbar
Keine Allokation stattgefunden Verfügbar - - Verfügbar

Bei aktiviertem Catena-X und PACT: Die Methode ist fest auf Cut-off Ansatz gesetzt und kann nicht geändert werden. 

3.1 Cut-off Ansatz

Wann anwenden? Wenn das Material extern recycelt wird und nicht Teil des eigenen Produktsystems ist oder wenn eine Cradle-to-gate-Betrachtung vorliegt.

Die Verantwortung des erzeugenden Produktsystems endet am End-of-Waste-Punkt. Ab der Übergabe trägt das erzeugende System keine Emissionen mehr. Gleichzeitig erhält es keine Gutschrift dafür, dass das Material anderswo Primärproduktion ersetzt.

Modellierung im Climate Hub:

  1. Im Dropdown "Allokationsmethode" im Bereich Materialrecycling wird "Cut-off Ansatz" ausgewählt.
  2. Im Primärsystem wird keine Aktivität für die Abfallübergabe hinterlegt, da das Sekundärsystem die Abfallemissionen trägt.
  3. Im Freitextfeld wird die abgegebene Materialmenge sowie der Übergabepunkt (z. B. Werkstor) dokumentiert.
  4. Über "Dokumente hochladen" kann die Übergabedokumentation als Beleg angehängt werden.

Beispiel: Ein Fahrradhersteller gibt 180 g Aluminiumspäne pro Rahmen an einen externen Recycler ab. Emissionen für Transport, Einschmelzen und Aufbereitung trägt der Abnehmer des Sekundäraluminiums. Der Emissionseintrag im PCF des Rahmens beträgt null – eine Gutschrift für ersetzte Primärproduktion wird ebenfalls nicht angesetzt.

Standardkompatibilität: Der Cut-off Ansatz ist die vorgeschriebene Standardmethode für ISO 14067, Catena-X und PACT. 

3.2 Upstream System Expansion

Wann anwenden? Ausschließlich im TfS-Kontext und nur für Recyclingfälle, bei denen alle im folgenden aufgelisteten Kriterien erfüllt sind:

  • Nachweis eines gesellschaftlichen Nutzen in Form von insgesamt geringeren GHG-Emissionen im Vergleich zu anderen verfügbaren Behandlungsmethoden.
  • Es handelt sich um eine neue Technologie bei der davon auszugehen ist, dass ihre Effizienz nach kommerzieller Skalierung weiter steigen wird.
  • Es werden regelmäßig aktualisierte Daten gemäß TfS-Leitlinie verwendet.
  • Der Markt für die alternative Abfallbehandlung ist bekannt und die Anforderungen sind klar definiert.
  • Ein ISO-konformer Substitutionsansatz wird angewendet und der genaue Verwendungszweck des Abfalls ist bekannt.
  • Die Substitution wird nur angewendet, wenn die alternative Behandlung die finale Entsorgung ersetzt und dadurch die Notwendigkeit der finalen Entsorgung entfällt.
  • Daten über die Auswirkungen des alternativen Produktionsprozesses müssen vorliegen, um den PCF des alternativen Produkts zu berechnen und mit dem untersuchten System zu vergleichen.
  • Eine klare Beschreibung des Prozesses zur Auswahl der finalen End-of-Life-Option, die durch chemisches Recycling substituiert wird, ist zu dokumentieren.

In Ausnahmefällen kann bei der Berechnung von Recyclingemissionen die Upstream System Expansion angewendet werden. Dabei wird der Nutzen eines recycelten Materials durch einen Vergleich mit alternativen Behandlungsmethoden bewertet. Die Methode basiert auf dem Substitutionsprinzip: Das recycelte Material ersetzt eine alternative Behandlung, deren vermiedene Emissionen als Gutschrift angerechnet werden. In der Praxis ist die Methode vor allem für chemisches Recycling relevant.

Modellierung im Climate Hub:

  1. Im Dropdown "Allokationsmethode" im Bereich Materialrecycling wird "Upstream System Expansion" ausgewählt. 

  2. Die Gutschrift wird als zusätzliche Aktivität "Vermiedene alternative Behandlung" mit negativem Emissionsfaktor in der entsprechenden Subphase hinterlegt. Der negative Wert entspricht den vermiedenen Emissionen der alternativen Behandlungsmethode (z. B. thermische Entsorgung) und wird automatisch mit den übrigen Prozessemissionen verrechnet.

  3. Im Freitextfeld wird die Prüfung der acht TfS-Kriterien dokumentiert.

  4. Über "Dokumente hochladen" können die Nachweise zu den Kriterien als Beleg angehängt werden.

Beispiel: Ein Unternehmen setzt chemisches Recycling ein, um Kunststoffabfälle in Rohstoffe zurückzuführen, die ansonsten thermisch entsorgt worden wären. Da alle Kriterien erfüllt sind, wird die Upstream System Expansion-Methode angewendet. Die vermiedenen Emissionen der thermischen Entsorgung werden als Gutschrift angerechnet.

Standardkompatibilität: TfS erlaubt die Methode als Ausnahme für Recyclingfälle wie chemisches Recycling, sofern alle definierten Kriterien erfüllt sind. Catena-X und PACT schreiben den Cut-off Ansatz als Standard vor und sehen keine vergleichbare Ausnahmeregelung vor.