Allokation
Der Allokationsbereich in den Basisdaten bietet Unterstützung, Emissionen korrekt auf Produkte und Prozesse aufzuteilen. Er ist in drei Tabs gegliedert: Koprodukte, Abfallbehandlung und Materialrecycling. Dieser Artikel erklärt zuerst den Aufbau des Formulars, anschließend – je Tab – welche Methoden im jeweiligen Modus verfügbar sind, und definiert schließlich die einzelnen Allokationsmethoden.
Verfügbarkeit je aktiviertem Standard
Welche Allokationsmethoden im Dropdown auswählbar sind, hängt davon ab, welche Standards für den PCF-Bericht aktiviert sind. ISO 14067 ist immer aktiv.
Ist ausschließlich ISO 14067 aktiv, steht der volle Methodenumfang zur Verfügung. Ist zusätzlich Catena-X oder PACT aktiviert, schränkt das entsprechende Regelwerk die Auswahl ein: Für Abfallbehandlung und Materialrecycling ist die Methode fest vorgegeben, für Koprodukte entfällt die Option „Keine Allokationsmethode anwendbar".
Aufbau des Formulars
Jeder Tab enthält dieselbe Grundstruktur:
| 1 |
Auswahl der Allokationsmethode |
| 2 | Beschreibung des verwendeten Allokationsansatzes Über ein Freitextfeld kann beschrieben werden, wie die Emissionen aufgeteilt wurden, welche Koprodukte beteiligt sind, welche Allokationsschlüssel verwendet wurden und welche konkreten Werte der Allokation zugrunde liegen. |
| 3 | Hochladen von Dokumenten Über den Button "Dokumente hochladen" können Belege zur Entscheidungsdokumentation hochgeladen werden, z.B. eine Berechnungstabelle oder das verwendete Regelwerk. Unterstützte Formate sind docx, xlsx, csv und pdf, bis zu 15 MB je Datei. |
Die folgende Abbildung zeigt den Tab „Koprodukte" als Beispiel – Abfallbehandlung und Materialrecycling sind identisch aufgebaut.

Wichtig: Es sind nur die Tabs auszufüllen, die für Ihren betrachteten PCF relevant sind.
Im Folgenden werden die verschiedenen Allokationsmethoden gemäß ISO 14067, Catena-X PCF Rulebook Version 4 und PACT Methodology Version 3 erläutert. Abweichende oder zusätzliche Anforderungen einzelner Standards werden jeweils explizit ausgewiesen.
1. Allokation bei Koprodukten
Dieser Tab ist relevant, wenn der Produktionsprozess gleichzeitig mehrere Produkte erzeugt - man spricht dann von Koprodukten. Die verfügbaren Allokationsmethoden sind in der vorgeschriebenen Reihenfolge zu prüfen. Wählen Sie die Methode aus, die Sie angewendet haben.
Verfügbarkeit der Allokationsmethoden
| Allokationsmethode | ISO 14067 | Catena-X | PACT |
| Subdivision | Verfügbar | Verfügbar | Verfügbar |
| Systemerweiterung via Substitution | Verfügbar | Verfügbar | Verfügbar |
| Physikalische Allokation | Verfügbar | Verfügbar | Verfügbar |
| Wirtschaftliche Allokation | Verfügbar | Verfügbar | Verfügbar |
| Keine Allokationsmethode anwendbar | Verfügbar | - | - |
Bei aktiviertem Catena-X und PACT: Alle vier Allokationsmethoden bleiben auswählbar. Die Option „Keine Allokationsmethode anwendbar" entfällt – bei Koprodukten muss bei aktiviertem Catena-X und PACT Modus eine Methode zugewiesen werden.
1.1 Subdivision
Wann anwenden? Wenn sich der Prozess technisch in separate Schritte aufteilen lässt, die jeweils nur einem Produkt dienen. Subdivision vermeidet Allokation vollständig und ist daher in allen Standards die vorrangig zu prüfende Option.
Der Prozess wird so in Teilprozesse unterteilt, dass jeder Teilprozess eindeutig einem Produkt zugeordnet werden kann.
Beispiel: Eine Fertigungslinie produziert Rahmen und Gabeln. Der Schweißprozess für den Rahmen und der Biegeprozess für die Gabel lassen sich getrennt bilanzieren – es ist keine Allokation nötig. Der gemeinsame Lackiervorgang hingegen lässt sich nicht aufteilen und erfordert eine der nachfolgenden Allokationsmethoden.
1.2 Systemerweiterung via Substitution
Wann anwenden? Wenn Subdivision nicht möglich ist, das Koprodukt aber nachweislich ein dominantes Produkt auf dem Markt verdrängt und dieser Zusammenhang branchenweit anerkannt ist. Zudem müssen Primärdaten oder repräsentative Sekundärdaten für das substituierte Produkt vorliegen.
Die Bilanzgrenze wird so erweitert, dass das Koprodukt ein anderes Produkt auf dem Markt ersetzt. Die Emissionen dieses substituierten Produkts werden als Gutschrift vom PCF des Hauptprodukts abgezogen – dadurch entfällt die Notwendigkeit einer Allokation.
PCF Hauptprodukt = Emissionen Gesamtprozesses - Emissionen substituiertes Produkt
Bei Auswahl dieser Option erscheint das zusätzliche Textfeld „Name des Substitutionsprodukts" im System. Hier tragen Sie den Namen des Produkts ein, das das Koprodukt ersetzt.
Beispiel: Bei der Stahlproduktion entsteht Hochofenschlacke als Koprodukt. Diese ersetzt Zementklinker im Baubereich. Die Emissionen der vermiedenen Klinkerproduktion werden als Gutschrift vom PCF des Stahls abgezogen, basierend auf dem Branchenkonsens der worldsteel-Methodik.
Wichtig: Der PCF des Hauptprodukts darf durch die Gutschrift nicht negativ werden.
1.3 Wirtschaftliches Wertverhältnis bestimmen
Kann weder Subdivision noch Substitution angewendet werden, bestimmt das wirtschaftliche Wertverhältnis der Koprodukte, welche Allokationsmethode zu verwenden ist.
Wirtschaftlicher Wert je Produkt = Masse x Marktpreis
Verhältnis = größter Wert ÷ kleinster Wert
Anhand des Ergebnisses wird die Methode festgelegt:
| Verhältnis | Interpretation | Nächster Schritt |
| ≤ 5 | Marktwerte ähnlich | → Schritt 1.3.1 Physikalische Allokation |
| > 5 | Marktwerte stark unterschiedlich | → Schritt 1.3.2 Wirtschaftliche Allokation |
Beispiel:
- Produkt A: 5 kg × 200 €/kg = 1.000 €
- Produkt B: 8 kg × 15 €/kg = 120 €
- Verhältnis: 1.000 : 120 = 8,3 → wirtschaftliche Allokation (Schritt 1.3.2)
1.3.1 Physikalische Allokation
Wann anwenden? Wenn das wirtschaftliche Wertverhältnis der Koprodukte ≤ 5 ist, sodass die physikalische Eigenschaft der Produkte als ausreichend repräsentativ gilt.
Die Emissionen eines gemeinsam genutzten Prozesses werden anhand einer messbaren physikalischen Eigenschaft auf die beteiligten Produkte aufgeteilt. Typische Allokationsschlüssel sind Masse, Stückzahl, Energie oder Energieinhalt, z. B.:
Allokationsfaktor = Masse dieses Produkts ÷ Gesamtmasse aller Koprodukte
Beispiel: Eine Lackieranlage verarbeitet E-Mountainbikes (14,5 kg) und E-Rennräder (10,2 kg), Gesamtmasse 24,7 kg. Allokationsfaktor E-Mountainbike: 14,5 ÷ 24,7 = 0,587 – also 58,7 % der Lackieremissionen werden dem E-Mountainbike zugerechnet.
Standardkompatibilität: Catena-X gibt die zulässigen physikalischen Bezugsgrößen fest vor: produzierte Masse, produzierte Stückzahl, enthaltene Exergie oder enthaltene Energie. Für die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung (KWK) schreibt Catena-X die Allokation auf Basis der erzeugten Exergie vor.
1.3.2 Wirtschaftliche Allokation
Wann anwenden? Wenn das wirtschaftliche Wertverhältnis der Koprodukte > 5 ist, sodass die physikalische Allokation die wirtschaftliche Realität verzerren würde.
Die Emissionen werden anhand des wirtschaftlichen Werts der Koprodukte aufgeteilt. Der Wert ergibt sich aus Masse multipliziert mit dem Marktpreis:
Allokationsfaktor = (Masse x Preis des Produkts) ÷ (Masse x Preis aller Koprodukte)
Beispiel:
- Produkt A: 1.000 €, Produkt B: 120 €
- Summe: 1.120 €
- Allokationsfaktor Produkt A = 1.000 ÷ 1.120 = 0,893
Bei Auswahl dieser Option erscheinen zwei zusätzliche Felder. Im Dropdown „Preistyp" wählen Sie, auf welcher Basis die Allokation berechnet wurde:
- Globaler Marktpreis: Der weltweit gültige Marktpreis für das Produkt. Erste Wahl laut Catena-X, sofern verfügbar.
- Regionaler Marktpreis: Ein regional begrenzter Marktpreis, z. B. für Europa oder Nordamerika. Zu verwenden, wenn kein globaler Preis verfügbar oder repräsentativ ist.
- Andere: Andere wirtschaftliche Kennzahlen wie Produktionskosten oder Verkaufspreis. Nur verwenden, wenn weder ein globaler noch ein regionaler Marktpreis vorliegt.
Über die Datumsfelder „Von" und „Bis" kann die Referenzperiode angegeben werden, auf der die verwendeten Preise basieren.
Standardkompatibilität: Die Reihenfolge zur Bestimmung des Preistyps (global → regional → andere) ist eine Vorgabe laut Catena-X. PACT schreibt keine Reihenfolge vor, verlangt aber, dass je PCF nur ein Preistyp verwendet wird. Bei starken Preisschwankungen von mehr als 100 % Jahr-zu-Jahr schreiben PACT und Catena-X vor, den Durchschnittspreis der letzten 3–5 Jahre zu verwenden.
2. Abfallbehandlung
Dieser Tab ist relevant, wenn bei der Produktion Abfallströme anfallen, z. B. durch Verschnitt, Ausschuss oder Prozessrückstände. Wählen Sie im Feld „Allokationsmethode" die Methode aus, die Sie angewendet haben.
Verfügbarkeit der Allokationsmethoden
| Allokationsmethode | ISO 14067 | Catena-X | PACT |
| Polluter Pays Prinzip | Verfügbar | Verfügbar | Verfügbar |
| Cut-off Ansatz | Verfügbar | - | Verfügbar |
| Keine Allokationsmethode anwendbar | Verfügbar | - | - |
Bei aktiviertem Catena-X: Die Methode ist fest auf Polluter Pays Prinzip gesetzt und kann nicht geändert werden. Cut-off Ansatz und „Keine Allokationsmethode anwendbar" stehen bei aktiviertem Catena-X nicht zur Verfügung.
Bei aktiviertem PACT: Beide Allokationsmethoden bleiben auswählbar. "Keine Allokationsmethode anwendbar" stehen bei aktiviertem PACT nicht zur Verfügung.
2.1 Polluter Pays Prinzip
Wann anwenden? Wenn der Abfall deponiert oder verbrannt wird und keine gesicherte Weiterverwertung besteht. Dies entspricht dem Standardfall bei echter Entsorgung.
Das abfallerzeugende Unternehmen trägt die Verantwortung für alle Behandlungsemissionen – von der Sammlung über den Transport bis zur finalen Entsorgung.
Beispiel: Bei der Fertigung eines Aluminiumrahmens fallen 4 g Lackierabfälle pro Einheit an, die thermisch entsorgt werden. Alle Verbrennungsemissionen werden dem Aluminiumrahmen zugerechnet. Eine Gutschrift für die zurückgewonnene Wärme wird nicht angesetzt.
Standardkompatibilität: Catena-X bezeichnet dieses Prinzip als Polluter Pays Principle und schreibt es für die Abfallbehandlung (inkl. Verbrennung mit Energierückgewinnung) verbindlich vor; die zurückgewonnene Energie ist dabei lastenfrei. PACT teilt dasselbe Grundprinzip für Produktionsabfall, der entsorgt wird; für Energierückgewinnung weicht PACT jedoch ab und verwendet den Cut-off-Ansatz.
2.2 Cut-off Ansatz
Wann anwenden? Wenn der Abfall am End-of-Waste-Punkt an einen externen Dienstleister zur Entsorgung übergeben wird und die Emissionen der Entsorgung dem Empfänger zugerechnet werden sollen – nicht dem erzeugenden Produktsystem.
Das erzeugende Produktsystem gibt den Abfall am End-of-Waste-Punkt emissionsfrei ab. Alle Emissionen ab diesem Punkt trägt der Empfänger.
Beispiel: Bei der Herstellung von Batteriezellen fallen lösungsmittelhaltige Rückstände an, die an einen externen Entsorgungsbetrieb zur fachgerechten chemischen Behandlung übergeben werden. Da der Abfall am Werkstor emissionsfrei abgegeben wird, trägt die Batteriezelle keine Emissionen für die nachgelagerte Behandlung. Der Emissionseintrag für diesen Abfallstrom ist null.
Standardkompatibilität: Für reine Abfallbehandlung mit Energierückgewinnung (Waste-to-Energy) ist der Cut-off Ansatz in Catena-X nicht vorgesehen – dort gilt verbindlich das Polluter Pays Prinzip. Der Cut-off Ansatz ist in Catena-X primär für das Materialrecycling vorgeschrieben (siehe nächster Abschnitt). PACT hingegen schreibt den Cut-off-Ansatz für Energierückgewinnung vor.
3. Materialrecycling
Dieser Tab ist relevant, wenn Reststoffe oder Abfälle aus der Produktion recycelt werden. In nahezu allen Fällen gilt der Cut-off Ansatz als Standardmethode.
Verfügbarkeit der Allokationsmethoden
| Allokationsmethode | ISO 14067 | Catena-X | PACT |
| Cut-off Ansatz | Verfügbar | Verfügbar | Verfügbar |
| Keine Allokationsmethode anwendbar | Verfügbar | - | - |
Bei aktiviertem Catena-X und PACT: Die Methode ist fest auf Cut-off Ansatz gesetzt und kann nicht geändert werden. Upstream System Expansion und „Keine Allokationsmethode anwendbar" stehen bei aktiviertem Catena-X und PACT nicht zur Verfügung.
Cut-off Ansatz
Wann anwenden? Wenn das Material extern recycelt wird und nicht Teil des eigenen Produktsystems ist oder wenn eine Cradle-to-gate-Betrachtung vorliegt.
Die Verantwortung des erzeugenden Produktsystems endet am End-of-Waste-Punkt. Ab der Übergabe trägt das erzeugende System keine Emissionen mehr. Gleichzeitig erhält es keine Gutschrift dafür, dass das Material anderswo Primärproduktion ersetzt.
Beispiel: Ein Fahrradhersteller gibt 180 g Aluminiumspäne pro Rahmen an einen externen Recycler ab. Emissionen für Transport, Einschmelzen und Aufbereitung trägt der Abnehmer des Sekundäraluminiums. Der Emissionseintrag im PCF des Rahmens beträgt null – eine Gutschrift für ersetzte Primärproduktion wird ebenfalls nicht angesetzt.
Standardkompatibilität: Der Cut-off Ansatz ist die vorgeschriebene Standardmethode in allen drei Standards. Vorbereitende Schritte für das Recycling werden bei Catena-X grundsätzlich dem aufnehmenden (recyceltes Material nutzenden) Produktsystem zugeordnet; bei Pre-Consumer-Scrap sind die beim Abfallerzeuger anfallenden Vorbereitungsschritte hingegen vom Erzeuger zu bilanzieren (Cut-off-Regeln gelten).