Definition
Diese Kategorie umfasst alle vorgelagerten (d. h. von cradle-to-gate) Emissionen aus der Herstellung von Produkten, die das berichtende Unternehmen im Berichtsjahr gekauft oder erworben hat. Zu den Produkten gehören lediglich immaterielle Produkte, materielle Produkte werden in 3.1.5 Weitere Waren und Materialien erfasst.
In diesem Kapitel wird speziell auf die Dienstleistungen eingegangen, die nicht bereits in den Kapiteln 3.1.1 Papier und Drucksachen, 3.1.2 Wasser, 3.1.3 Verpflegung sowie 3.1.4 Externes Rechenzentrum enthalten sind.
Bilanzierung der weiteren Waren und Materialien
Unternehmen können die folgenden Methoden verwenden, um die Emissionen in der Kategorie weitere Waren, Materialien und Dienstleistungen zu berechnen:
- Durchschnittsdaten-Methode: Die Emissionen von Gütern werden geschätzt, indem Daten über die Masse oder andere relevante Einheiten der eingekauften Waren erfasst und mit sekundären Emissionsfaktoren multipliziert werden.
- Lieferantenspezifische Methode: Sammlung von cradle-to-gate Emissionsdaten bei den Lieferanten und Multiplikation mit lieferantenspezifischen Emissionsfaktoren.
- Hybride Methode: Kombination aus lieferantenspezifischen Aktivitätsdaten und der Verwendung sekundärer Daten, falls lieferantenspezifische Informationen nicht vorhanden sind.
- Ausgabenbasierte Methode: Die Emissionen von Gütern werden geschätzt, indem Daten über den ökonomischen Wert von eingekauften Waren mit sekundären Emissionsfaktoren multipliziert werden.
Leitlinien zur Datenerfassung bei der lieferantenspezifischen Methode
Aktivitätsdaten beziehen sich auf die Menge oder Einheit des eingekauften Gutes oder der eingekauften Dienstleistung. Emissionsfaktoren sind lieferantenspezifische cradle-to-gate Emissionsfaktoren.
Unternehmen können Fragebögen an alle relevanten Lieferanten und Partner in der Wertschöpfungskette senden, in denen Sie folgende Daten anfordern:
- Daten zu den THG-Emissionen während des gesamten Produktlebenszyklus gemäß GHG Protocol Product Standard
- Eine Beschreibung der zur Quantifizierung der Emissionen verwendeten Methoden und Datenquellen
- Angabe, ob die Daten verifiziert wurden und wenn ja, welche Art der Qualitätssicherung vorgenommen wurde
- Sonstige relevante Informationen (z.B. Prozentsatz des Produktbestands, der mithilfe von Primärdaten berechnet wurde)
Die Daten des Lieferanten sollten dabei für denselben Zeitraum sein wie das Scope 3 Inventar des berichtenden Unternehmens. Außerdem wird empfohlen nach dem Verhältnis von Primär- zu Sekundärdaten zur Berechnung der Emissionsfaktoren zu fragen. Dies ermöglicht es, Verbesserungen in den gelieferten Informationen messbar zu machen.
Leitlinien zur Datenerfassung bei der hybriden Methode
Um die beim Lieferanten erhobenen Primärdaten mit Sekundärdaten zu kombinieren, müssen die sekundären Emissionsfaktoren disaggregiert werden. Sie können dann, wenn vorhanden, mit lieferantenspezifischen Daten überschrieben werden.
Zur Berechnung sollten folgende Informationen beim Lieferanten angefragt werden:
- Interne Datensysteme (z.B. Stücklisten, zurückgelegte Strecke eingehender Rohmaterialien)
- Öffentliche Treibhausgasbilanzen
Leitlinien zur Datenerfassung bei der Durchschnittsdaten-Methode
Aktivitätsdaten beziehen sich auf die Menge oder Einheit des eingekauften Gutes oder der eingekauften Dienstleistung. Emissionsfaktoren sind cradle-to-gate Emissionsfaktoren pro Einheit oder Menge des eingekauften Gutes bzw. eingekaufter Dienstleistung.
Die Aktivitätsdaten können aus folgenden Quellen entnommen werden:
- Interne Datensysteme (z.B. Stücklisten)
- Kaufbelege
Datenquellen für Emissionsfaktoren sind:
- Datenbanken zum Lebenszyklus von Prozessen
- Industrieverbände.
Unternehmen sollten sowohl das Alter der Datenbank (zeitliche Repräsentativität), die geografische Relevanz für den Standort des Lieferanten (geografische Repräsentativität) als auch die technologische Repräsentativität, Vollständigkeit und Zuverlässigkeit der Daten bewerten.
Bilanzierung der weiteren Waren und Materialien im Climate Hub
Im Climate Hub sind keine vordefinierten Aktivitäten hinterlegt. Über den Button Eigene Aktivität hinzufügen können Sie neue Aktivitäten anlegen. Eine genaue Beschreibung hierzu finden Sie hier. Außerdem können Sie eine CSV-Datei mit Aktivitäten und dazugehörigen Emissionsfaktoren hochladen. Eine ausführliche Anleitung finden Sie hier.
Weiterführende Informationen finden Sie in der Technical Guidance for Calculating Scope 3 Emissions des GHG Protocols in Kapitel 1: Purchased Goods and Services ab Seite 20.